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Wo sind die Nansens unserer Zeit?

Wo sind die Nansens unserer Zeit?
Veröffentlicht am Mi., 2. Dez. 2020 00:00 Uhr
Neuigkeiten

Kaum ein Mann hat so vielen Menschen das Leben gerettet, wie Fridtjof Nansen (1861 – 1930). Er muss eine erstaunliche Persönlichkeit gewesen sein. Sein Vater hat ihm in jungen Jahren christliche Grundsätze vermittelt. Er studierte Zoologie, war Ausdauersportler, Polarforscher, Diplomat und Streiter für die Unabhängigkeit Norwegens.

1920 wurde Nansen der 1. Hochkommissar für Flüchtlingsfragen des noch jungen Völkerbundes. Er war der richtige Mann, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Als infolge des russischen Bürgerkrieges, des Völkermordes an den Armeniern und des Krieges zwischen Griechenland und der Türkei Millionen Menschen auf der Flucht waren, konnten dank eines besonderen Reisepasses, der Nansens Namen trug, 400.000 Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückkehren; darunter Marc Chagall und Igor Strawinski.

Für seine humanitäre Flüchtlingspolitik, durch die er über 7 Millionen Menschen vor dem sicheren Hungertod rettete, erhielt er 1922 den Friedensnobelpreis. Am 10. Oktober wäre er 159 Jahre alt geworden.

Wo sind die Nansens unserer Zeit? Noch immer sind Millionen Menschen auf der Flucht? Hunger breitet sich durch die Corona Pandemie aus wie ein Lauffeuer. Kinder sterben in den Armen ihrer Eltern, auf dem Mittelmeer, auf Lesbos und in den vielen Flüchtlingslagern dieser Welt, wie vor 100 Jahren. Und nach wie vor gilt „das Gebot, das Gott uns gegeben hat: Wer ihn liebt, muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben.“ (1. Joh 4,21)

Fridtjof Nansen stellte vor 100 Jahren sein Engagement für eine menschliche Flüchtlingspolitik unter das Motto: „Lasst uns eine Bruderkette um die ganze Erde schmieden!“ Sein Plan blieb unvollendet. Noch fehlen etliche Glieder in der Kette der Menschlichkeit. Auf jede und jeden Einzelnen von uns kommt es an. Martin Rogalla, Citypfarrer